Concussions im Football
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Gehirnerschütterungen sind die dunkle Seite des Football

Gehirnerschütterungen nennt man im Englischen „Concussions“ – alleine dieses Wort steht im Football für soviel, dass es bei der bloßen Nennung jedem Headcoach Unbehagen ins Gesicht zaubert. Kein Wunder: die Langzeitfolgen von Hirntraumata hängen wie dunkle Schatten über der neonleuchtenden NFL – Welt, bereiten den Fans und Verantwortlichen mindestens ein schlechtes Gewissen, sowie Betroffenen im schlimmsten Fall einen jahrelangen Leidensweg. Darf man seinen Helden bei der Selbstzerstörung zusehen?

Im Lateinischen sagt man: „Quod me nutrit me destruit“, was auf Deutsch soviel wie „was mich ernährt, das mich zerstört“ bedeutet. Genau das könnte das Lebensmotto von Pro Football Hall Of Famer Warren Sapp sein, der in zwölf Jahren Karrie zuerst bei den Buccaneers und dann bei den Raiders als Defensive Tackle stets mit vollem Körpereinsatz dafür sorgte, die Reihen in der Verteidigung dicht zu halten.

Sapp liebt Football über alles, weshalb er in seiner Karriere stets bis an die Grenze des Machbaren ging, was neben zahlreichen Verletzungen vor allem auch eine Menge Gehirnerschütterungen zur Folge hatte. Ist das Gehirn aber immer wieder massiven Erschütterungen ausgesetzt, besteht die Gefahr, dass einzelne Areale absterben können. In seiner extremsten Form kann das auch bei anderen Vollkontaktsportarten bekannte Phänomen zur chronisch – traumatischen Enzephalopathie (CTE) führen. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, bei der über einen längeren Zeitraum systematisch immer mehr Hirngewebe abstirbt. Die ersten Symptome von Betroffenen sind häufig Gedächtnisausfälle, in fortgeschrittenen Stadien kann es zu Depressionen, Aggressionen, Impulskontrollverlust, Suizidalität und Demenz kommen.

Laut USA Today hat die NFL mittlerweile rund 4.500 Spieler nach zahlreichen Gerichtsprozessen mit insgesamt rund 765 Millionen Dollar abgespeist, dies vor allem, weil die Liga nach Ansicht der Kläger „über Jahre hinweg die Spieler nicht darüber informiert habe, was die Folgen wiederholter Hirntraumata“ seien. Seit dem 7ten Januar diesen Jahres gibt es darüber hinaus eine außergerichtliche Einigung (Settlement) zwischen der NFL und einer Gruppe von Spielern, die die Liga verklagten. Konkret bedeutet das, dass Footballer, die vor dem 7. Juli 2014 ihre Karriere beendeten, von der NFL finanziell entschädigt und medizinisch versorgt werden, wenn sie danach an diversen in der Einigung konkret benannten Hirnkrankheiten leiden. Bisher hat die Liga im Rahmen dieses Verfahrens bereits rund 9 Millionen Dollar ausgezahlt – das war aber nur der Anfang, denn nach übereinstimmenden Medienberichten soll die NFL davon ausgehen, dass rund 6.000 Spieler nach ihren Karrieren von Krankheiten wie Alzheimer oder Demenz betroffen sein könnten.

Das bringt uns zurück zu Warren Sapp, der in einem YouTube – Video kürzlich erklärte, dass er „vor seinen eigenen Augen verfalle“, sich kaum noch etwas merken könnte und nur noch „mit der Erinnerungsfunktion seines Handy durch den Tag“ komme. Als Konsequenz daraus wolle Sapp nach seinem Tod sein Gehirn für medizinische Zwecke spenden um dabei zu helfen, „Football ein wenig besser zu machen“, so der Defensive Tackle, der 2008 seine Karriere beendete. Hier findest du das ganze, ausgesprochen traurige Video:

Geschichten wie die von Warren Sapp sind keine Einzelfälle: die US – Medien sind voll von Berichten über reiche Männer, die ertragen müssen, dass sie im besten Lebensalter nicht mehr ein normales Leben genießen können. Von Männern, die sich mit 26 Jahren selbst erschießen, mit 21 Jahren erhängen, mit 42 Jahren nach monatelangen Depressionen an einer Überdosis Drogen sterben, sich mit 50 Jahren in die Brust schießen damit das Gehirn nach dem Tod untersucht werden kann.

Auf den immer größeren öffentlichen Druck der durch Geschichten dieser Art entstand, reagierte die NFL 2009 mit der Einführung des Concussion Protocol. Dieses besagt, dass Spieler schon beim Verdacht auf eine Gehirnerschütterung unmittelbar das Spielfeld verlassen müssen und bei der Feststellung eindeutiger Symptome dieses im selben Spiel nicht mehr betreten dürfen. Vor allem definiert das Protokoll aber sehr genau, welche Prozesse Spieler durchlaufen müssen, damit sie wieder in den aktiven Spielbetrieb zurückkehren dürfen.

Insgesamt bleibt der NFL hoch anzurechnen, dass sie sich mit dem Concussion Protocol durchaus bemüht, die Auswirkungen bereits stattgefundener Gehirnerschütterungen soweit wie möglich zu minimieren.Fakt ist aber, dass auch die beste Nachsorge nicht verhindert, dass Gehirnerschütterungen auftreten, was ja das eigentliche Problem ist.

Nur: sind Verletzungen dieser Art überhaupt in einem Vollkontaktsport verhinderbar ? Sind die Spieler heute in der Verantwortung, weil sie nunmehr eindeutig wissen sollten, was die Folgen direkter Schläge gegen den Schädel sind? Liegt es an den Sportausstattern endlich dafür zu sorgen, dass die Köpfe der Spiel noch besser geschützt sind oder ist das überhaupt nicht möglich? Was denkst du?

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