Titans Germany
Backstories

Fanclubizzle Talkerizzle: German Titans

Mit der wachsenden Begeisterung für die NFL in Deutschland schießen in den letzten Monaten hierzulande ständig neue Franchise – Fanclubs wie Pilze aus dem Boden. Im Rahmen unserer neuen Interviewserie „Fanclubizzle Talkerizzle“ nehmen wir diese Clubs genau unter die Lupe um die Entwicklungen in der NFL – Fanszene in Deutschland zu dokumentieren. Zudem möchten wir dir dabei helfen, dir die Entscheidung für einen Fanclub zu erleichtern – denn nichts ist so schön, wie die Begeisterung für eine Sache gemeinsam zu teilen! In dieser Woche beginne wir unsere Interviewserie mit den German Titans, dem einzig eingetragenen Tennessee Titans – Fanclub weltweit. Das Gespräch führten wir mit Tim Leidinger, dem ersten Vorsitzenden der Titans.

German Titans

Ihr seid als German Titans der erste Tennessee Titans – Fanclub im deutschsprachigen Raum. Wie kamt Ihr überhaupt auf die Idee, einen Fanclub zu gründen?

Wir sind sogar der einzige richtig eingetragene Fanclub weltweit. Es gibt loose Fan – Truppen, ob in Memphis oder Houston, aber keine richtigen Fanclubs. Somit sind wir ein Vorreiter in der Titans – Welt. Da haben die Titans aus unserer Sicht auch Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Franchises, wie etwa den Patriots, wenn es darum geht Fanclubs zu fördern. Die Titans haben zwar bereits Fortschritte gemacht, konzentrieren sich zurzeit aber größtenteils nur auf die lokale Anhängerschaft in Tennessee, Kentucky und den anderen angrenzenden Staaten.

Die Idee kam, wie die meisten enstehen, spontan. Ein paar Fans aus dem Rhein-Main Gebiet sind im Januar diesen Jahres zusammengekommen, um das Wildcard-Spiel gegen die Chiefs anzuschauen. Dieses unfassbare Comeback hat bei uns eine solche Euphoriewelle bei ausgelöst, dass für das nächste Divisional-Round Spiel sich andere Anhänger aus NRW und BW angeschlossen hatten. In der Mitte der folgenden Woche kam ein Mitglied auf die Idee doch aus Spaß einen Verein zu gründen – dann haben wir die Satzung verfasst und diese dann mit 9 Gründungsvätern verabschiedet.

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Seit knapp 5 Monaten gibt es euch nun – wie hat sich der Club seit der Gründung entwickelt?

Wir sind jetzt 24 Mitglieder und die Erwartungshaltung ist, dass wir bis London die 30 knacken. Aus rechtlicher Sicht mussten wir zwei Vorstände bestimmen, aber jeder bei uns im Verein ist ein Vorstandsmitglied. Alle Entscheidungen werden zusammen getroffen.

Wir setzen als Gemeinschaft Sachen um, die als lose Community nicht so einfach durchzuführen gewesen wären. Für das Spiel in London dieses Jahr haben wir beispielsweise zwei Veranstaltungen geplant und bieten 15 Mitgliedern und auch Nicht-Mitgliedern eine Unterkunft für das Wochenende an. Krasser Weise sind wir schon jetzt komplett ausgebucht!

Darüber hinaus diskutieren wir aktuell, an welchem Ort in Deutschland unser Sommerfest und unsere Jahreshauptversammlung stattfinden soll. Die Mitglieder zeigen großes Engagement für die Sache und dafür möchte ich mich bei ihnen auch an dieser Stelle bedanken. Mit dem Fanclub bringen wir Menschen zusammen aus allen Altersschichten und Teilen Deutschlands. Unser jüngstes Mitglied ist 4 und unser ältestes 51. Wir wollen helfen die Wahrnehmung und die Bekanntheit der Franchise in Deutschland zu steigern. Dazu werden wir auch ab Juni unseren Shop mit Club Merchandising starten.

 

Warum habt Ihr euch für einen e.V. als Organisationsform entschieden?

Wir waren vor der Gründung nur eine Community auf Facebook, welche vor knapp 4 Jahren gegründet wurde. Anfangs waren wir dort nur ein paar Einzelne und sind mittlerweile über 200. Bei uns kam gar nicht der Gedanke auf, nur eine lose Gemeinschaft zu sein. Auch sind die Gegebenheiten nicht vorhanden wie z.B. bei den Patriots, bei denen man sich als Fanclub registrieren kann. Wir wollten es wenn dann richtig machen, auch mit allen Rechten und Pflichten. Seitdem wir den Fanclub haben bekommen wir Gehör. Eine Gruppe hat eine lautere Stimme als ein Einzelner. Die Titans nehmen uns Europäer als Anhänger endlich wahr.

 

Gibt es nur so wenige Titans – Fans in Deutschland oder warum habt Ihr nur 24 zahlende Mitglieder?

Der FC Bayern München hat Millionen Fans in Deutschland/weltweit, gleichzeitig aber „nur “ 290.000 Mitglieder. In Deutschland gibt es geschätzt 300 Titans -Anhänger. So gesehen, erfüllen wir ebenfalls eine normale Quote. Sollte die Franchise wieder erfolgreicher werden, wird sich diese Zahl sicherlich noch erhöhen.

 

Wie ist euer Verhältnis zu der Franchise und der NFL? Gibt es da Kontakte, unterstützen die euch?

Ich persönlich kenne die Anteilseignerein und Geschäftsführerin Amy Adams Strunk. Wenn wir Fragen haben oder Untersützung von den Titans benötigen, bekommen wir diese auch meistens. Natürlich könnte die Zusammenarbeit immer noch vertieft und besser werden, doch momentan sind wir damit zufrieden. 

Amy Adams Strunk
Tim mit Amy Adams Strunk

Von der NFL Tochter in Großbritannien sind wir hingegen ein wenig enttäuscht. Wir wollten für die Titans – Fans Gruppentickets bestellen, damit wir alle zusammen das Event in einem Block erleben hätten können. Diese wurden auch die letzten Jahre angeboten , doch dieses Jahr auf einmal nicht mehr. Anstatt hier ein konstruktives Gespräch zu führen wurden wir einfach abgewimmelt. Nähe zu den Fans sieht anders aus.

 

Während im Zusammenhang mit Musik Fanclubs eher aussterben, sprießen sie in der deutschen NFL – Community gerade wie Pilze aus dem Boden. Was denkt Ihr woran das liegt?

Früher wurde ein Spiel im Jahr übertragen, der SuperBowl. Heute wird dem Football eine andere Plattform geboten. Über die Qualität lässt sich streiten, doch der Neuling wird von Anfang an abgeholt und fühlt sich gut aufgehoben mit all den komplexen Regeln. Dadurch, dass die NFL neue Absatzmärkte sucht und seit der NFL Europe keinen Fuß mehr in Deutschland hatte, wird hier auch alles dafür getan die Marke NFL weiter populär zu machen. Ich gehe auch davon aus, dass wir bis 2025 ein Spiel in Deutschland sehen werden. Durch diesen Push profitiert auch die komplette Footballandschaft in Deutschland. Der Footballmensch ist ein Herdentier und fühlt sich unter seinesgleichen besonders wohl. Sind wir doch einfach mal ehrlich: Es ist ein geiler Sport.


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Kommen wir mal zu den Titans. Wie ist eure Franchise nach dem Draft aufgestellt und was sind eure Erwartungen für die nächste Saison?

Hinter den Titans steht ein großes Fragezeichen. Die letzte Saison war Durchschnitt. Ich würde hierfür gerne unterscheiden zwischen dem Erreichten und dem Gezeigten. Was erreicht wurde, vor allem nach so langen Jahren, phänomenal. Man muss bedenken, dass wir in 2014 und 2015 nur 5 Siege feiern konnten – zusammen addiert, wohlgemerkt. Aus diesem Grund waren die Seasons 2016 und 2017 ergebnistechnisch Balsam für unserer Seele. Doch die Leistung auf dem Platz, vor allem in der Offense, waren oft unterdurchschnittlich. Das Übel hierfür wurde ausgemacht und ein neues Trainerteam platziert. Dass Mularkey nach zwei sogenannten Winning Seasons seine Koffer packen musste, zeigt in jedem Fall, welche Erwartungshaltung die Führung der Titans an das Team und die Coaches hegt. Um den nächsten Schritt zur Ligaspitze zu machen, wurden der mit vielen Vorschusslorbeeren behaftete Mike Vrabel, das offensive Mastermind Matt LaFleur und aus dem Ruhestand der hoch dekorierte Dean Pees verpflichtet.

Seit Jahren bereiten den Titans die gegnerischen Tight Ends und Running Backs bei der Passverteidigung große Probleme. Aus diesem Grund war es nicht weiter verwunderlich, dass man Avery Williamson hat ziehen lassen, wenngleich er Liga – weit als einer der besten Linebacker gegen der Run gilt. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, hat man in der ersten Runde des Drafts Rashaan Evans geholt, der seines Zeichens als „Schweizer Taschenmesser“ unter den Linebackern gilt und so vielseitig ist, dass er sogar als Passrusher eingesetzt werden kann.

Ein weiteres Highlight setzen die Titans, als sie Harold Landry in der zweiten Runde drafteten. Für viele Experten ein Top20-Talent, das aufgrund von Verletzungssorgen kein besonderes finales Jahr im College hatte. Für viele Titans-Fans ist aber bereits heute klar, dass er der designierte Nachfolger für den alternden Orakpo ist.

Die Erwartungshaltung könnte also kaum größer sein, dennoch ist es sehr schwer zu prognostizieren, wo die Titans landen werden. Die AFC South hat sich von einer Lachnummer zu einer Liga mit sehr talentierten Teams entwickelt. Die Jags haben gezeigt, dass sie mit den Patriots durchaus mithalten können, die Texans, die offenbar ihren Franchise-QB gefunden haben, dürften auch wieder ein Wörtchen um den Divisions-Titel mitreden und die Colts werden mit Andrew Luck under Center auch ein anderes Gesicht zeigen als letztes Jahr, sollte er fit sein.

 

Am 21. Oktober spielen die Titans in London, Ihr werdet das ganze mit einem internationalen Fantreffen im All Star Lanes Pub in Shoreditch am Vortag begleiten. Auf was können sich die Fans denn dort freuen?

Wir haben uns für diesen Event mit Liz Fox (Bloggerin aus GB unter dem Namen NFLGirlUK) zusammengeschlossen. Diese veranstaltet vor jedem Game ein solches Event für Fans. Das Event beginnt um 19 Uhr und endet um 23 Uhr. Uns wird ein privater Raum mit eigener Bar und drei Bowling-Bahnen zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung stehen. Wer möchte, kann beim Karaoke sein Gesangstalent unter Beweis stellen. Es werden viele Titans aus dem deutschsprachigen Raum, Großbritannien und von Übersee teilnehmen, aber auch Fans anderer Fanlager. Des weiteren arbeiten wir noch im Hintergrund an einigen weiteren Überraschungen, hier ist aber noch nichts spruchreif.

Tickets für den Event bekommt Ihr für nur 5,83 Pfund. Der Eintrittspreis beinhaltet gleichzeitig auch noch einen Verzehrgutschein für 5 Pfund – ein fairer Deal 😉 . Wer ein Ticket haben möchte, darf sehr gerne an info@germantitans.eu schreiben – haltet euch aber ran, denn es sind schon sehr viele verkauft!

Zusätzlich zu dem Event am Abend vor dem Spiel treffen wir uns am Morgen vor dem Spiel im Watkin’s Folly direkt in der Nähe zum Wembley Stadion zum Einheizen. Die öffnen schon um 9 Uhr die Tore und bieten neben köstlichem Stout auch einen schönen Biergarten.


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Im Zusammenhang mit politischen Protesten, sinkenden Zuschauerzahlen und dem Thema Gehirnerschütterung spricht man allseits von einer Dauerkrise des Football. Hat die NFL eine Zukunft?

Die NFL steigerte bis dato pro Jahr ihren Umsatz um eine Milliarde Dollar. Allein gemessen an den Zahlen kann man also von keiner Krise sprechen. Die NFL stellt sich immer globaler auf um den Rückgang in den USA zu kompensieren. Außerdem wird aktiv an den Problemen des Sports gearbeitet, um z.B. die Helme zu verbessern und auch sonst die Sicherheit der Spieler zu erhöhen. Das Problem mit den Protesten ist ein gesellschaftliches Problem, was über den Football ausgefochten wird. Die NFL wird sich aber von den von diesem Gegenwind im eigenen Land erholen und alles dafür tun um Ihre Gelddruckmaschine am Laufen zu halten.

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