Colin Kaepernick
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Kaepernick lässt Goodell verhören, neuer Deal mit Adidas?

Gibt es innerhalb der NFL eine Verschwörung gegen Colin Kaepernick wegen dessen antirassistischer Protestaktionen? Es ist genau diese Frage, die sowohl die amerikanischen Medien, als auch die Spieler und ihre Fans seit Monaten beschäftigt und deren Beantwortung schon bald der Gegenstand eines gewaltigen Prozesses des Quarterbacks gegen die Liga sein wird. Die Vernehmung erster Zeugen ist bereits im Gange.

Persona Non Kaepa

Fakt ist, dass der Ex – Quarterback der San Francisco 49ers seit seiner Protestaktion in der Saison 2016/2017, an der sich später zahlreiche weitere Spieler beteiligten, keinen Job mehr in der NFL bekommen hat. An der Ursache dafür scheiden sich die Geister. Fakt ist aber auch, dass Kaepernick kurz davor steht, eine zweite Saison ohne einen Job verbringen zu müssen und dabei gleichzeitig feststellen muss, dass links und rechts um ihn herum Quarterbacks angeheuert werden, die bei weitem nicht auf seinem Leistungsniveau oder komplett unerfahren sind.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Seattle Seahawks, die den 30jährigen mit 69 Spielen Erfahrung zwar zunächst zum Training einluden, dann aber mit Stephen Morris einen Quarterback unter Vertrag nahmen, der noch in keinem einziges Spiel in der NFL auf dem Platz gestanden hat. Glaubt man diversen Gerüchten, soll dies daran gelegen haben, dass sich Kaepernick geweigert haben soll, auf weitere Proteste zu verzichten. Egal ob an dieser Behauptung nun etwas dran ist oder nicht, es ist offensichtlich, dass hier aus Sicht des Quarterbacks ausreichende Gründe vorliegen, um einen Gerichtsprozess zu führen.


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Verhör mal wer da hämmert

Um die aktuellen Vorgänge im Fall Kaepernick richtig verstehen zu können, ist zunächst ein kurzer Einblick in das amerikanische Rechtssystem notwendig. Während die Vernehmung von Zeugen in Deutschland nur vor einem Gericht möglich ist, werden Zeugenaussagen in den USA fast immer außerhalb der Gerichte durchgeführt. Diese als „Depositions“ bekannten Vernehmungen dienen der Prozessvorbereitung, beteiligt sind neben dem Ankläger und dem Beklagten auch die Anwälte der beiden Parteien.

Verhören lassen haben Colin Kaepernick und seine Anwälte eine ganze Menge Menschen. Insgesamt sechs Anhörungen hat es bisher gegeben, zahlreiche weitere Termine sind bereits angesetzt. Dazu gehören nach jetzigem Stand fast alle Vertreter von Teams, bei denen Kaepernick in den letzten Monaten irgendwie als Quarterback im Gespräch war. So steht beispielsweise schon jetzt ein Termin mit dem General Manager der Seattle Seahawks, John Schneider, sowie deren Head Coach Pete Caroll fest. Gestern besuchte das juristische Team rund um den Spieler das NFL – Headquarter in New York und vernahm den NFL – Boss Roger Goodell.

Wahrscheinlich um sauber nachzuweisen, dass er durch alle Instanzen gegangen ist, hat sich Kaepernick aber dagegen entschieden, den Prozess in einen regulären U.S. – Gerichtssaal zu tragen. Stattdessen wird der Fall vor einem von der NFL organisierten Gericht unter Leitung einer Schiedsperson verhandelt werden. Sowohl die Spielergewerkschaft als auch Offizielle der Liga werden bei diesem Termin zugegen sein. Eine Entscheidung soll dann gegen Ende des Jahres verkündet werden.

Adidas tut sich keinen Gefallen

Und Adidas? Nun, das ist eine etwas peinliche Geschichte. So ließ Mark King, der US – Boss der Brand aus Herzogenaurach am vergangenen Freitag über amerikanische Medien verkünden, dass man Kaepernick sofort unter Vertrag nehmen würde, wenn er wieder bei einem NFL – Team spielt. Ja, richtig gelesen, wenn er wieder bei einem Team spielt – als ob das die leichteste Sache der Welt wäre. „We love athletes that have a platform to make the world a better place“, erklärte King wörtlich den überraschten Journalisten. Den offensichtlichen Zynismus des Adidas – Mann verurteilte die Washington Post in einem fast halbseitigen Kommentar scharf – als Krachmacherei und Versuch, sich selbst im Zusammenhang mit einem sozialen Thema zu inszenieren.

Sollte nicht irgendein NFL – Team sehr bald in einer von niemandem erwarteten Spontanreaktion doch noch Colin Kapernick unter Vertrag nehmen, wird der Quarterback tatsächlich seine zweite Saison zuhause verbringen müssen. Inwiefern dieser Vorgang einer sich in der Krise befindlichen Liga würdig ist, wird wohl an den Küchen-, Konferenz-, und bald auch Gerichtstischen dieser Welt entschieden werden.

Noch mehr Hintergründe zu den Spieler – Protesten in der NFL kannst du hier nachlesen:
„Fight The Power? Die NFL kniet gegen Trump“

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Foto: Mike Morbeck, veröffentlicht unter der CC BY-SA 2.0 – Lizenz. Es wurden keine Änderungen vorgenommen.

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