NFL Draft 2018
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NFL Draft 2018: Die ersten 10 Picks unter dem Mikroskop

Aufregend und verwirrend war sie, die erste Nacht des NFL Draft 2018 im AT&T Stadium in Arlington, welche um 2 Uhr Morgens deutscher Zeit ihren Anfang nahm. Wie erwartet pickten die Franchises vor allem Quarterbacks – was die Cleveland Browns aber mit ihrem ersten Pick machten, schockierte sowohl das anwesende Publikum als auch die Analysten. Heute nehmen wir für dich nochmal die ersten zehn Picks auseinander .

Analyse: First Ten, Pick By Pick

Pick Nummer 1: Baker Mayfield
To: Cleveland Browns

Direkt mit dem ersten Pick des Abends sorgten die Cleveland Browns für eine Mischung aus Entsetzen und Fassungslosigkeit: statt für den allseits favoritisierten Josh Allen entschieden sich die Browns für Baker Mayfield.

Vollkommen unverständlich ist die Wahl nicht, denn mit 8,592 Yards, 83 TDs und 14 INTs in den letzten beiden Jahren ist Mayfield ein durchaus akkurater Quarterback, dessen Persönlichkeit zudem die gerade für eine Franchise wie die Browns benötigten Leadership – Qualitäten nicht missen lässt. Nicht umsonst ist Mayfield Inhaber der Heisman Trophy und wurde zum Big 12 Offensive Player of the Year erklärt.

Gegen Mayfield spricht seine für einen Quarterback verhältnismäßig geringe Körpergröße (1,85m) – seit sieben Jahren wurde beim Draft kein Spieler auf seiner Position mit solchen Maßen mehr gepicked. Insofern gehen die Browns hier durchaus ein Risiko ein, dies umso mehr, wenn man an Mayfields Eskapaden außerhalb des Spielfeldes denkt. Trotzdem hat der Quarterback ein wahnsinniges Potential, was sich für die Browns mehr als auszahlen könnte – denn diese könnten einen richtig guten Quarterback so langsam gut gebrauchen.


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Pick Nummer 2: Saquon Barkley
To: New York Giants

Auch die Wahl der Giants sorgte für eine Überraschung, denn statt sich mit ihrem ersten Pick um einen Ersatz für den in die Jahre gekommenen Eli Manning zu kümmern, entschieden sich die Giants für einen neuen Runningback. Wer hier keinen Zusammenhang zu Manning sieht, täuscht natürlich, denn Barkley wird definitiv dafür sorgen, dass Manning entlastet werden und noch schneller Anspielstationen finden wird. Warum die Giants aber einen solchen Spieler ausgerechnet mit dem ersten Pick wählten, ist ein wahres Mysterium.. oder eine Fehlentscheidung.

Saquon Barkley dürfte der aus rein athletischer Sicht beste Spieler in diesem Draft sein – mit absoluten Spitzenwerten in der Scouting Combine überzeugte bereits vor wenigen Wochen. Mit seiner Mischung aus enormer Geschwindigkeit und physischer Stärke hat Barkey absolut das Potential, das Rushing der Giants erheblich aufzuwerten.

Unterm Strich ist Barkley die richtige Wahl, denn im Angesicht der Tatsache dass die diesjährige Quarterback Klasse eine voller Fragezeichen ist, kann man den Runningback durchaus als die sichere Bank aus Sicht der Giants betrachten.

 

Pick Nummer 3: Sam Darnold
To: New York Jets

Sam Darnold, Sam Darnold. Ein schwieriger Fall. Beginnen wir positiv: die Jets haben gefunden, wonach sie gesucht haben, nämlich einen nächsten Quarterback mit dem sie die Zukunft sichern können.

Mit 4.143 erworfenen Yards und 26 Touchdowns in seiner letzten College – Saison wirkt Darnold zwar auf den ersten Blick wie ein solider Spieler, dennoch wird es bei ihm immer dann kritisch, wenn das Blocking um ihn herum zusammenbricht. Dieser schlechte Umgang mit Druck wirkte sich in ganze 22 Turnovers aus.

Dass er es aber andererseits besser kann, hat Darnold bereits mit seinen 3,086 Yards und 31 Touchdowns in der Saison 2016 bewiesen. Besonders seine Akkuratheit und Armstärke waren Darnold dabei eine große Hilfe.

Sam Darnold hat also durchaus ein großes Potential, er muss nur die Chance bekommen, dieses in Ruhe entwickeln zu können. Zudem benötigt der Quarterback eine gute Offense um halbwegs ungestört zu arbeiten – unter diesen Gesichtspunkten macht die Wahl Sinn, denn mit Teddy Bridgewater sind die Jets zunächst versorgt und können Darnold damit die Zeit geben, die er braucht.

 

Pick Nummer 4: Denzel Ward
To: Cleveland Browns

Auch mit ihrem zweiten Pick irritierten die Browns wieder das versammelte Publikum – statt des Defensive End Bradley Chubb entschied sich der War Room für den fuchtlosen und vor allem schnellen Denzel Ward.

2016 kämpfte sich der Cornerback an der Seite von Gareon Conley und Marshon Lattimore durch die College – Liga und wurde dabei so oft wie seine heute populären Kollegen eingesetzt. Mit 37 Tackles im letzten Jahr bewies Ward absolut seine Qualitäten, einzig seine Körpergröße ist mit 1,80 Meter ein kleiner Grund zur Besorgnis.

Sidenote: Böse Zunge im Internet mutmaßen, dass sich die Browns bereits für das nächste Jahr die besten Picks sichern wollen 😀 .

 

Pick Nummer 5: Bradley Chubb
To: Denver Broncos

120 Kilo auf 1,93 Meter verteilt – das sind die Maße der neuesten Erweiterung der Broncoschen Defensive Line. Mit 10 Sacks und 39 Tackles in seiner letzten Saison, sowie in Zukunft mit Von Miller auf der Gegenseite wird die Denver – Defense in der kommenden Saison einigen Quarterbacks das Leben schwer machen.

Der im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnete Defensive End (Hendricks) ist durch seinen wirklich beeindruckenden Arbeitseifer bekannt. So nahm er durch exzessives Training in seiner Übergangszeit zwischen High School und College ganze 50 Pfund an Körpergewicht und Muskelmasse zu. Ein spannender Typ, der uns sicherlich noch einige Highlights liefern wird.

Oh, und Von Miller soll sich auch über den Pick von Bradley Chubb gefreut haben. 😉 Nur: waren die Broncos nicht eigentlich auf der Suche nach einem Quarterback?


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Pick Nummer 6: Quenton Nelson
To: Indianapolis Colts

Dieser Pick macht einfach nur Sinn, denn als persönlicher Beschützer von dem zuletzt an der Schulter verletzten Andrew Luck ist Nelson sowas wie die Antwort auf ihre exorbitant hohe Menge an Quarterback – Sacks in der letzten Saison. Der „menschlichen Abschleppwagen“, wie man ihn in seiner College – Zeit nannte, wurde in seiner College Saison zum Most Valuable Player gewählt – als erster Guard seit 1975!

Neben einem enormen Hunger (8 Portionen Parmesanhähnchen sind für ihn kein Problem) bringt Nelson vor allem körperliche Stärke, Durchhaltevermögen und die laut Pro Football Focus beste Bewertung eines Offensive Lineman 2017 in den USA mit. Das bedeutet für die Colts eine enorme Aufwertung der Offensive Line dank des außergewöhnlichen Talents des Quenton Nelson, von dem wir ziemlich sicher noch eine Menge hören werden.

 

Pick Nummer 7: Josh Allen
To: Buffalo Bills

Josh Allen polarisiert enorm – für die einen ist er der beste Quarterback des Drafts, für die anderen ein unpräziser Signal Caller, der es möglichlerweise nicht in der NFL schaffen wird. Das liegt unter anderem an Allens außergewöhnlich starken Arm und perfekten Maßen (107 Kilo auf 1,95 cm), aber seiner mit einer Completion Rate von 56,2%  extrem mäßigen Präzision. Auch seine oft umständlichen und dadurch erfolglosen Plays sind ein Grund zur Besorgnis.

Mit 1,812 erworfenen Yards für 16 Touchdowns und sechs Interceptions steht Josh Allen weit hinter Quarterbacks wie Baker Mayfield zurück, welche vielleicht noch durch sein Verletzungspech der letzten Jahre erklärt werden könnten. So musste Allen seine 2015er Saison nach einer Fußverletzung nach nur sechs Pässen und seine 2017er nach nur drei Spielen wegen einer Schulterverletzung vorzeitig beenden.

Ob es sich für die Bills also wirklich rentiert hat für eine Menge Zugeständnisse Richtung Tampa Bay Buccaneers an die siebte Position im Draft zu kommen wird sich zeigen. Im Zweifelsfall haben die Buffalo Bills immerhin noch AJ McCarren in der Hinterhand und sich somit eine Menge Zeit erkauft, um Allen jetzt in Ruhe aufzubauen.

 

Pick Nummer 8: Roquan Smith
To: Chicago Bears

Endlich ist Roquan Smith wieder mit seinem Kumpel Leonard Floyd, ebenfalls Linebacker in Diensten der Bears, wiedervereint. Smith, dem man nachsagt der beste Linebacker in der Draft Class zu sein, weiß mit enormer Geschwindigkeit und Präzision, insbesondere in der Coverage, zu überzeugen. 95 Tackles 2016 und 137 (!) Tackles 2017 sprechen hier eine eindeutige Sprache – insgesamt kam Smith in drei Spielzeiten auf 252 Tackles.

So verwundert es auch nicht, dass der Defender mit der Vorliebe für den Blitz in seiner letzten Saison mit dem Butkus Award für den besten Linebacker ausgezeichnet wurde.

Die Bears versprechen sich zurecht ein Upgrade in Sachen Geschwindigkeit und Führungsqualität für ihre Defense – im Falle von Roquan Smith kann man relativ sicher davon ausgehen, dass ihnen das gelungen ist. Vor allem hat es die Franchise mit diesem Move aber geschafft, ihre Schwächen auf der Linebacker – Position zu kompensieren.

 

Pick Nummer 9: Mike McGlinchey
To: San Francisco 49ers

Der Cousin von Matt Ryan wird eine wichtige Rolle im Leibwächter – Corps für Jimmy Garoppolo übernehmen, denn er wird höchstwahrscheinlich Joe Staley als Right Tackle ergänzen. Das würde übrigens auch bedeuten, dass die 49ers dann ein Notre Dame – Tag Team als Offensive Tackles hätten.

Mit fast 150 Kilo Lebendgewicht auf riesigen 2,03 Meter und Händen wie Bratpfannen ist McGlinchey eine imposante Erscheinung, bewegt sich aber auf dem Spielfeld durchaus schwerfällig. Auch rund um seine physische Stärke gibt es ernsthafte Fragezeichen.

Ist das nun der große Wurf für die 49ers? Sicher nicht, aber Hauptsache Alessio, Verzeihung, Jimmy geht es gut.


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Pick Nummer 10: Josh Rosen
To: Arizona Cardinals

Es ist Palmer – Dämmerung in Arizona, weshalb sich die Cardinals schon im Vorfeld des Draft von den Oakland Raiders per Trade den zehnten Draft Pick sicherten. Bedenkt man zudem, dass die Franchise mit Sam Bradford und Mike Glennon eher mäßige und keinesfalls Nachfolge – würdige Quarterbacks am Start hatte, macht der Pick definitiv Sinn.

9.341 erworfene Yards, 59 Touchdowns und 26 Touchdowns hat „J-Chosen“ Rosen in drei Jahren College erspielt, er ist außerdem für seine Intelligenz und Führungspersönlichkeit bekannt. Innerhalb der Pocket ist der Quarterback dank seiner guten Koordination sehr mobil, seine Armstärke ist solide und seine Completion Rate ist mit 62,5% in seiner letzten College – Saison durchaus in Ordnung.

Sagen wir es einfach, wie es ist: für die Cardinals ist der präzise Passer ein absoluter Steal, dessen verhältnismäßige späte Wahl im Draft definitiv in keinem Zusammenhang mit seinen Fähigkeiten steht. Trotzdem wird sich Josh Rosen dank seiner kaum opulenten Maße in Arizona nicht durchsetzen können, wenn er nicht vernünftig beschützt werden wird. Mehrere Gehirnerschütterung in der Vergangenheit sprechen hier eine deutlich Sprache. Aus Sicht des Front Office der Bird Gang war Josh Rosen aber in jedem Fall die beste Wahl.


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Alle Picks in der Übersicht

   PICK
NUMMER      SPIELER                        TEAM 
1                Baker Mayfield, QB         Browns
2                Saquon Barkley, RB        Giants
3                Sam Darnold, QB            Jets
4                Denzel Ward, CB             Browns
5                Bradley Chubb, DE          Broncos
6                Quenton Nelson, G         Colts
7                Josh Allen, QB                Bills
8                Roquan Smith, LB          Bears
9                Mike McGlinchey, OT     49ers
10               Josh Rosen, QB               Cardinals
11               Minkah Fitzpatrick,DB    Dolphins
12               Vita Vea, DT                     Buccaneers
13               Da’Ron Payne, DL            Redskins
14               Marcus Davenport, DE   Saints
15               Kolton Miller, OT             Raiders
16               Tremaine Edmunds,LB  Bills
17               Derwin James, S            Chargers
18               Jaire Alexander, CB        Packers
19               Leighton Esch, LB           Cowboys
20               Frank Ragnow, C             Lions
21               Billy Price, C                     Bengals
22               Rashaan Evans, LB         Titans
23               Isaiah Wynn, OL               Patriots
24               D.J. Moore, WR                Panthers
25               Hayden Hurst, TE            Ravens
26               Calvin Ridley, WR             Falcons
27               Rashaad Penny, RB         Seahawks
28               Terrell Edmunds, S          Steelers
29               Taven Bryan, DT               Jaguars
30               Mike Hughes, CB             Vikings
31               Sony Michel, RB               Patriots
32               Lamar Jackson, QB         Ravens

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Foto: Drew Tarvin, veröffentlicht unter der CC BY 2.0 – Lizenz. Es wurden keine Änderungen vorgenommen.

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