NFL Protest
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Fight The Power? Die NFL kniet gegen Trump

Hat sich Donald Trump verschätzt ? Nach beleidigenden Äußerungen gegen Sportler, die während des Abspielens der Nationalhymne aus Protest nicht stehen wollen, haben die Spieler und General Manager zahlreicher NFL – Franchises sowie der NFL – Commissioner Roger Goodell mit deutlichen Protestaktionen reagiert. Wieder diskutieren die USA über das Schicksal des Colin Kaepernick, Rassismus und das Bild Amerikas in der Ära Trump.

Es ist fast halb acht Uhr am vergangen Freitag Abend als Donald Trump vor die Mikrofone in Huntsville, Alabama tritt – einer Stadt, die wegen ihrer NASA – Entwicklungszentren einst als “Rocket City” bezeichnet wurde und deren Bewohner bis heute darauf stolz sind, das in ihrer Heimatstadt das Apollo – Raketenprogramm entwickelt wurde. In dieser Hochburg des amerikanischen Glaubens an den technischen Fortschritt soll der US – Präsident heute Abend Werbung für seinen Parteikollegen Luther Strange machen, der den Bundesstaat gegen seinen Rivalen Roy Moore gewinnen möchte. Über Strange, den Trump auch “Big Luther” nennt, wird aber nachträglich niemand mehr diskutieren.

“Würdet Ihr es nicht lieben zu sehen wenn einer dieser NFL – Besitzer sagen würde: “Schmeißt den Hurensohn vom Feld, er ist gefeuert! Gefeuert!”  – es sind diese Worte Trumps, über welche in den Tagen danach ganz Amerika diskutieren wird. Schnell wird klar, an wen diese Worte adressiert sind: an Colin Kapernick, welcher sich während dem Abspielen aus Solidarität mit Opfern rassistischer Diskriminierung hingekniet hatte.

Auch in den Folgestunden legt der amerikanische Präsident über Twitter immer wieder nach, beleidigt fortgesetzt die NFL und ihre Spieler:

Am Sonntagmorgen um viertel vor vier Uhr deutscher Zeit schlagen die NFL – Franchises dann in Form von Joe Ellis, dem Präsident der Broncos zurück. So lässt der Neffe des ehemaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush verkünden dass seine Spieler “ein enormes Engagement gezeigt haben um auf wichtige soziale Themen hinzuweisen”, man “auf sie deswegen stolz sei” und sich “weiter für Diversität und Inklusion einsetzen” wolle. Die klare Positionierung Ellis wirkt wie ein Dammbruch, denn in den folgenden Stunden veröffentlichen die Besitzer zahlreicher Franchises sowie der NFL – Commissioner Roger Goodell ein Trump-kritisches Statement nach dem anderen. Die NFL ist jetzt offiziell im Protest – Modus.

Wenige Stunden später, als in den Stadien der USA und in London das Singen der Nationalhyme den Gameday einläutet, wird klar wie geschlossen sich die gesamte Liga heute gegen die Äußerungen des amerikanischen Präsidenten zeigen wird: in allen Stadien knien Spieler aus Protest auf dem Boden, haken ihre Arme ineinander oder bleiben auf den Bänken am Spielfeldrand sitzen. Besonders bemerkenswert ist aber das Verhalten der Spieler der Seattle Seahawks sowie der Pittsburgh Steelers, die während der Nationalhymne in der Umkleidekabine bleiben und erst danach das Spielfeld betreten.

Auf dem Ford Field in Detroit protestiert selbst Rico Lavelle, der Sänger der Nationalhymne beim Spiel der Lions gegen die Atlanta Falcons durch das Zeigen der Black Power – Faust. Er ist aber keineswegs der einzige Hymen – Sänger, der sich so verhalten wird: in Nashville, wo die Seahawks gegen die Titans spielen, kniet sich Megan Lindsey ebenfalls hin.

Die Liste der zahlreichen Protestformen an diesem historischen Gameday ist so lang wie die Monate seit denen die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft und die Causa Kaepernick in den USA diskutiert wird: nach seinem Touchdown reckt Odell Beckham Junior die Black Power – Faust, was auch Brandon Coleman von den New Orleans Saints tut, in London hakt Jacksonville Jaguars – Besitzer Shahid Khan seine Arme bei seinen Spieler unter, beim Aufwärmen tragen die Spieler der Miami Dolphins #imwithkap – Shirts um ihre Solidarität mit Colin Kaepernick auszudrücken.

Kein Wunder also, dass nach diesem denkwürdigen wie polarisierenden Gameday die Reaktionen massiv ausfallen: während die US – Medien überwiegend positiv über die Proteste berichten, hagelt es Kritik von allen Seiten. So werfen zahlreiche Senatoren, darunter der texanische Senator Ted Cruz, sowie Veteranenverbände und Vertreter der republikanischen Partei “der NFL” vor, sich gegenüber der US – Flagge und der Nationalhymne respektlos verhalten zu haben.

Indes erinnert der Menschenrechtler Jesse Jackson bei einer denkwürdigen Pressekonferenz noch einmal an den Ursprung der Proteste und Äußerungen Donald Trumps – den Fall Colin Kaepernick. Nachdem sich dieser nämlich als erster mit einem Kniefall öffentlich gegen die Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung positionierte, wollte ihn kein Team der NFL mehr aufnehmen. Weil dieser Zustand bis heute anhält ruft Jackson am Montagabend zum “Boykott gegen die Liga in jeder Stadt” auf. In eine ähnliche Richtung geht auch die Kritik des legendären Football Hall Of Famer Shannon Sharpe, der den Besitzern der NFL – Franchises vorwirft, sich nicht mit Kaepernick und der Diskriminierung von Afroamerikanern zu beschäftigen und stattdessen nur eigene Profitinteressen abzusichern.

Und was hat nun der Mann im Zentrum der Affäre, Donald J. Trump nach diesem historischen Gameday in der NFL zu sagen? Nun, 140 Zeichen sagen mehr als tausend Worte:

Die Statements der Franchises, Spieler und Offiziellen zum Nachlesen:

“Diese Kommentare zeigen ein Unverständnis für die positive Kraft der NFL”
Roger Goodell, NFL Commissioner

“Ich bin enttäuscht vom Ton des Präsidenten”
Robert Kraft, Besitzer der New England Patriots, großzügiger Spender und Freund Donald Trumps

“Wir sind stolz auf unsere Spieler und ihr soziales Engagement”
Joe Ellis, Präsident der Denver Broncos und Neffe von George W. Bush

“Wer für Spaltung sorgt, greift demokratische Ideale an”
Arthur Blank, Besitzer der Atlanta Falcons

“Wir glauben dass es wichtig ist jeden Spieler zu unterstützen die sich für etwas positives einsetzt”
Mark Murphy, Präsident der Green Bay Packers

“Unser Land braucht jetzt eine einheitsstiftende Führung, nicht noch mehr Spaltung”
Stephen Ross, Besitzer der Miami Dolphins

“Die NFL und ihre Spieler waren immer eine positive Kraft”
Dean Spanos, Besitzer der Los Angeles Chargers

“Unsere Spieler haben ihr Recht als Bürger genutzt sich gegen soziale Ungerechtigkeit zu äußern”
Jed York, Geschäftsführer der San Francisco 49ers

“Solche Kommentare sind das Ergebnis der Unwissenheit über das Engagement unserer Spieler”
Amy Adams, Besitzerin der Tennessee Titans

“Die Kommentare des Präsidenten sind beleidigend”
John Mara und Steve Tisch, Besitzer der New York Giants

“Jedes Mal wenn der Präsident seinen Mund aufmacht spaltet er das Land noch mehr”
Sean Payton, Headcoach der New Orleans Saints

“Das ist Demokratie in seiner reinsten Form”
Steve Bisciotti, Baltimore Ravens

“Das ist eine schwierige Zeit in unserem Land”
Art Rooney II, Präsident der Pittsburgh Steelers

“Unsere Spieler haben das Recht sich frei zu äußern”
Dean Spanos, Besitzer der Los Angeles Chargers

“Wir werden nicht für die Ungerechtigkeiten stehen, die People Of Colour heimgesucht haben”
Team der Seattle Seahawks

“Ich bin kein Hurensohn”
DeShone Kizer, Quarterback der Cleveland Browns

“Unser Präsident ist ein Arschloch”
Lesean McCoy, Running Back der Buffalo Bills

 

Foto: Phil Roeder, veröffentlicht unter der CC BY 2.0 – Lizenz. Es wurden keine Änderungen vorgenommen.

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