Cam Newton
Backstories Carolina Panthers

Was ist eigentlich mit Cam Newton los?

Cam Newton ist nicht einfach nur ein Quarterback – für die Carolina Panthers ist der 28jährige aus Atlanta ein Held, dessen sportliche Erfolge ihn in den letzten Jahren zum werbewirksamen Helden der NFL machten. Seit seiner Schulteroperation in der Offseason spielt die Scoring Machine aber bisher auf einem derart niedrigen Niveau dass die Rufe seiner Kritiker immer lauter werden.

Mit Quarterbacks verhält es sich wie mit Schülern: die einen können gut Deutsch, die anderen sind besser in Mathe. Übersetzt man das in die Welt des Footballs, lassen sich im Wesentlichen zwei Typen von QBs unterscheiden – auf der einen Seite befinden sich die analytischen Werfer, die wie Eli Manning ihre Position in der Pocket kaum verlassen und vor dem Abwerfen versuchen, die gegnerische Defense genau zu lesen. Auf der anderen Seite befinden sich die athletischen Rusher, welche mit viel Dynamik und Flexibilität versuchen aus der jeweils besten Position den Ball abzuwerfen und dabei auch nicht davor zurückschrecken, die Pocket zu verlassen.

Und dann gibt es Cam Newton, der wie Russell Wilson oder Michael Vick mit seinem athletischen Körperbau problemlos direkt nach dem Snap losrennen und werfen kann, aber andererseits auch einen so starken Wurfarm hat, dass er in der Lage ist,  unvermittelt stehen zu bleiben und den Football dann über zahlreiche Yards hinweg präzise zu werfen. Diese Fähigkeiten machen Newton zur unberechenbaren Bedrohung, welche jederzeit flexibel auf die Schwächen der gegnerischen Defense reagieren kann. Soviel zur Theorie.

In der Praxis mangelt es bei Herrn Cam nämlich regelmäßig an der Präzision, was von ihm geworfene Bälle eher zur schwer fangenden Mörsergranate denn zu chirurgisch genauen Lenkrakete machen. Dazu kommen Schwierigkeiten in der Oberkörper – Beine – Koordination sowie regelmäßige Schwächen in der richtigen Interpretation gegnerischer Spielzüge und Laufrouten der eigenen Receiver. Nimmt dazu noch, dass der Quarterback noch vor seiner Schulterverletzung in der letzten Saison mit einer Completion Rate von 52,9% das schlechteste Ergebnis seiner Karriere einfuhr, wird klar, warum man in Carolina derzeit sehr besorgt ist.

Nein, der Cam Newton dieser Tage hat nur wenig mit dem Helden von 2015 zu tun, der seine Franchise zum Super Bowl führte – stattdessen haben wir es hier mit einem Prügelknaben der Liga zu tun, der viel zu oft loslaufen muss und wegen seiner schwachen Verteidigung durch die Offensive Tackles regelmäßig auf die Nase bekommt und damit kaum Yards erlaufen kann.

Gerade mal läppische 14 Carries für 46 Yards hat Cam Newton in dieser Saison auf der Uhr, doch wer deswegen glaubt, dass die Panthers am Sonntag gegen die übermächtigen New England Patriots keine Chance haben, täuscht trotzdem. In Ihrem letzten Spiel gegen die Houston Texans bewiesen die Patriots nämlich, wie schwer sie sich mit einem dynamischen und flexiblen Quarterback wie Deshaun Watson tun, der ähnlich wie Cam Newton spontan zu laufen beginnt und sich auch nicht so leicht den Ball abnehmen lässt. Schafft es Cam also, diese Qualitäten wieder auszuspielen und die Präzision zu erhöhen, während gleichzeitig seine Kollegen von der Defense dann erfolgreich Brady und Gronkowsky in Schach halten, könnte es sogar was werden mit dem Sieg der Carolina Panthers.

Man ahnt es: für einen Erfolg der Panthers bedarf es einer einzigen Verkettung glücklicher Umstände. Vielleicht zu vieler – vielleicht aber auch nicht.

Foto: James Willamor, veröffentlicht unter der CC BY-SA 2.0 – Lizenz. Es wurden keine Änderungen vorgenommen.

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