Jerry Jones Strafe
Dallas Cowboys

Jerry Jones droht höchste Strafe in der NFL-Geschichte

Jerry Jones,  Besitzer der Dallas Cowboys, hat den Bogen offenbar endgültig überspannt: laut Informationen der New York Times bereitet die NFL wegen des Verhaltens des 75jährigen im letzten Jahr eine der größten Disziplinarstrafen vor, die sie jemals ausgesprochen hat. Laut Insiderkreisen könnte sich die Strafe sogar auf „mehrere Millionen Dollar“ belaufen.

Konkret geht es um zwei Skandale aus dem letzten Jahr, die beide mit der Person Jerry Jones zusammenhängen. Da wäre zum einen die Affäre rund um die Sperre des Dallas Running Back Ezekiel Elliot und zum anderen die öffentlich inszenierten Angriffe des Jerry Jones auf den Commissioner der NFL, Roger Goodell, im Zusammenhang mit dessen Vertragsverlängerung.

Erster Akt: Schuld und Sühne des Ezekiel E.

Für die einen war es eine wahnhafte Hexenjagd, für die anderen die legitime Bestrafung eines Mannes, der sich an einer Frau vergangen hat – die Affäre Ezekiel Elliot  sorgte nicht nur innerhalb der Dallas Cowboys für jede Menge Trubel, sondern wurde auch schnell zu einem in den gesamten USA diskutierten Thema.

Ausgangspunkt des Dramas war eine Strafanzeige der Ex – Freundin des Running Backs, die diesen am 12. Februar 2016 auf dem Aventura Police Department in Florida bezichtigte, sie an den Schultern hochgehoben und gegen eine Wand geschmissen zu haben. Bis zum Juli des selben Jahres erstattet die Dame namens Tiffany Thompson vier weitere Anzeigen, wobei es jedes Mal Zeugen gibt, die die Angaben der Frau bestreiten. Im Verlauf des Jahres wird auch bekannt, dass die Ex – Freundin Elliots Email – Account gehacked habe, ihn versucht hatte wegen eines Sextapes zu erpressen und mit bis zu 50 Anrufen pro Tag terrorisiert habe. Weil die Beweislage aber in jedem Fall immer zu dünn ist, kommt es trotz ausführlicher Ermittlungen im Zusammenhang mit den Anzeigen von Tiffany Thompson aber niemals zu einer rechtskräftigen Verurteilung von Ezekiel Elliot. Die NFL beginnt, wie in in solchen Fällen üblich, ab Oktober 2016 mit ersten Ermittlungen, die Dallas – Owner Jerry Jones durch einen fingierten Zwischenfall in Form einer lauten Diskussion mit der Chefermittlerin Lisa Friel bei einem Bankett zum ersten Mal versucht zu verhindern. Später stellt er sich immer wieder öffentlich hinter Ezekiel Elliot und betont dessen Unschuld.

Anderseits scheint Elliot sich tatsächlich schlecht im Griff zu haben: bei der St. Patricks Day Parade in Dallas reißt er im Juli 2017 einer Dame unvermittelt das Top nach oben. Die Bilder des Football – Spielers, der neben der entblößten Dame auf einem Festwagen steht, verbreiten sich rasend schnell im Internet.

Für die NFL ist mit diesem in ihrer Rechnung zweiten großen Zwischenfall der Bogen endgültig überspannt. Daher sanktioniert die Liga einen Monat nach dem Vorfall im August 2017 Ezekiel Elliot mit einer der schwersten und seltensten Strafen die sie kennt : sechs Spiele soll er auf der Bank verbringen.  Die Entscheidung der NFL ist nicht unumstritten, und sie setzt eine Reihe weiterer Ereignisse in Gang. So liefert sich Ezekiel Elliot einen auf den Tag genau drei Monate langen Rechtsstreit  vor zahlreichen Lokal- und Staatsgerichten, in dessen Verlauf die Strafe gegen ihn immer wieder außer Kraft und dann wieder als gültig erklärt wird. Letztlich zieht Elliot seine Berufungsklage doch zurück, wodurch die Sperre ab dem 15. November wieder offiziell gültig ist.

Jones schlägt zurück- gegen Roger Goodell

Für den Dallas – Besitzer stellt die Behandlung Elliots einen Skandal dar, für den er nicht nur das Schiedsgericht der Liga, sondern auch NFL-Boss Roger Goodell persönlich verantwortlich macht. Das lässt er in den Folgewochen zumindest jeden wissen, der ihm ein Mikrofon ins Gesicht hält. Gegenüber der USA Today bezeichnet er die Entscheidung beispielsweise als Überreaktion und Versuch der NFL ein vorhergehendes, sanfteres Urteil in einem anderen Verfahren nun wiedergutzumachen. Wer das als Banalität betrachtet, täuscht sich – dass sich ein Teambesitzer derart offen gegen die Liga stellt ist ein durchaus ungewöhnlicher Vorgang.

Wie persönlich die Angelegenheit ist, zeigt auch ein Bericht des Fort Worth Star, in dem Jones wenig später behauptet, von Goodell persönlich belogen worden zu sein. So habe der Liga – Boss gegenüber dem Dallas – Boss angegeben, keine disziplinarische Strafe gegen Elliot auszusprechen, was sich bekanntermaßen als falsch erweisen sollte.


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Zweiter Akt: Brichst du Jerrys Herz, bricht er Rogers Beine

Nach den Vorfällen rund um Elliot ist Jones mittlerweile offenbar so wütend, dass er versucht, den noch amtierenden Liga – Boss Roger Goodell regelrecht zu stürzen. Die Gelegenheit dazu bietet sich schnell: Goodell befindet sich nämlich im November 2017 in Verhandlungen über seine eigene Zukunft in der Liga und wird nun vom Dallas – Boss frontal angegriffen. So droht dieser gemeinsam mit dem Star – Anwalt von Harvey Weinstein, jedes einzelne Mitglied des für die Vertragsverhandlungen zuständigen Compensation Comittee im Falle einer Wiederbeschäftigung von Goodell zu verklagen.

Im weiteren Verlauf leaken plötzlich fast absurd klingende Details über den hochdotierten Vertragsentwurf an die Öffentlichkeit. So soll Goodell 49 Millionen Dollar Jahresgehalt fordern, was bei einem fünfjährigen Vertrag einer Gesamtsumme von 245 Millionen Dollar entspricht. Doch nicht genug: ergänzend dazu habe er eine eigene Privatyacht von der NFL gefordert. Für die Tatsache, dass diese Details überhaupt an das Licht der Öffentlichkeit gelangen, macht das Compensation Comittee in einem offenen Brief Jerry Jones persönlich verantwortlich.

Anfang Dezember ist die Vertragsverlängerung dann mit der Zustimmung von 32 NFL – Ownern doch Realität, auch wenn Goodell mit einer Gesamtsumme von 200 Millionen Dollar mit einer deutlich niedrigeren Bezahlung leben muss. Dem unbändigen Zorn des Jerry Jones tut dieser aber keinen Abbruch, denn dieser versucht jetzt im Hintergrund per Klageandrohung mögliche Bonuszahlungen an Goodell auf ein Minimum zu beschränken und dessen Macht innerhalb der NFL systematisch einzuschränken.

Dritter Akt: G wie Goodetta

Wer erwartet hatte, dass Goodell nach seiner Vertragsverlängerung nun einfach so weitermacht, täuscht sich. Während die Angelegenheit im Angesicht der Öffentlichkeit nämlich vorübergehend aus der Wahrnehmung verschwindet, bereitet der Sohn des Senators Charles Goodell schon seinen nächsten Schlag vor.

Hinter den Kulissen sucht der neue alte Commissioner das Gespräch mit Teambesitzern und überzeugt sie, dass das Verhalten des Jerry Jones vor allem eines sei: geschäftsschädigend. Zu seinem Vorteil kann Goodell den schwerreichen Millionären dabei immer wieder vor Augen führen, dass Jones schon längst das Maß der Erträglichkeit überstiegen hatte als er drohte, das aus Teambesitzern bestehende Compensation Comittee zu verklagen. Das Vorhaben gelingt – die Basis für eine Bestrafung des Jerry Jones ist da.

Anfang Februar 2018 treten erst Gerüchte, dann Statements von anonymen NFL – Offiziellen ans Licht, welche besagen, dass Jones wegen seines Verhaltens der letzten Monate zeitnah mit der härtesten Geldstrafe aller Zeiten bestraft werden wird. Laut übereinstimmenden Berichten der Washington Post und der Los Angeles Times könnte sich dieser Betrag auf mindestens 2.000.000 Dollar belaufen. Doch nicht genug: der Besitzer der Dallas Cowboys soll dazu auch noch alle Anwaltskosten zahlen, die der NFL im Zusammenhang mit dem Elliot – Prozess und dem Compensation Committe wegen Jones´ Angriff auf die Vertragsverhandlungen entstanden sind.

Um gegenüber Fans und Medien nicht den Eindruck entstehen zu lassen dass sich der NFL – Commissioner hier auf einem persönlichen Rachefeldzug befindet, erfahren amerikanische Journalisten nunmehr aus den selben anonymen Quellen, dass Goodell natürlich ausschließlich auf Antrag der Teambesitzer gehandelt habe.


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Der Krieg ist noch lange nicht zu Ende

Glaubt man allerdings NFL – Insider Ian Rapoport, handelt es sich bei der Strafe eigentlich um gar keine Strafe, sondern ausschließlich um eine durch das NFL – Regelwerk gedeckte, finanzielle Kompensation für bereits entstandene Anwaltskosten. Tatsächlich beinhalten die Regularien der NFL sinngemäß einen Passus, der besagt, dass wenn ein Teambesitzer ungerechtfertigt die NFL oder eines ihre Organe verklagt, er bei einer Niederlage die Anwaltskosten der Liga tragen muss. Die NFL bestätigt diese Interpretation etwas später indirekt mit einer Newsmeldung auf ihrer Website.

Weil es sich bei den 2 Millionen Dollar also lediglich um eine Entschädigung für einen finanziellen Schaden handelt, wirft das die Frage auf, ob die eigentliche Strafe für Jerry Jones nicht noch erst verkündet werden wird. Weil der Kampf zwischen Goodell und Jones schon lange öffentlich eskaliert ist, ist im Moment jede mögliche Reaktion seitens der Liga denkbar.

Seit heute bemühen sich wieder junge College – Talente aus den ganzen USA bei der NFL Scouting Combine in Indianapolis um von sich reden zu machen. Jerry Jones wird dieses Jahr nicht erscheinen, Roger Goodell schon. Die Journalisten werden eine Menge Fragen haben. Vielleicht wird Goodell sie beantworten.

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Foto: Keith Allison, veröffentlicht unter der CC BY-SA 2.0- Lizenz. Es wurden keine Änderungen vorgenommen.

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