Super Bowl 52
NFL News

Super Bowl 52 – der Tag danach

Super Bowl 52 ist Geschichte, aber was war das nur für eine unfassbare Football – Schlacht, deren Zeuge wir heute Nacht werden durften? Der Drive und der Hunger mit denen sich die Offenses der Patriots und Eagles ins Zeug legten, war so massiv, dass die Teams schon vor Ende des dritten Viertels die historische Marke von 1.000 Combined Yards knackten – Rekord! Ob die wenigsten Punts (1), die meisten Passing Yards (874) und die meisten Punkte, die ein unterlegenes Team jemals in einem Super Bowl gemacht hat: dieses Spiel, diese Nacht der Rekorde wird in die Geschichte des amerikanischen Football eingehen. Grund genug also, mal genauer hinzusehen wie auf beiden Seiten des Atlantiks die Reaktionen auf den Super Bowl 52 ausfallen.

Völliger Abriss in Philadelphia

Nur wenige Minuten nach dem Sieg der Eagles zerlegten Eagles-Fans bei spontanen Straßenfesten gleichzeitig Philadelphia und Minneapolis. Zehntausende Menschen eskalierten auf den Straßen der beiden Metropolen, zündeten Feuerwerk, erkletterten und fällten Lichtmasten und Hotelvordächer, legten kleine Feuer und hinterließen einen gigantischen Müllberg. Schwerpunkt der Festivitäten war in Philly die Broad Street rund um die Philadelphia City Hall, auf der sich rund 100.000 Menschen versammelten, wobei wenige Personen leicht verletzt und vier verhaftet wurde.

Philadelphias Bürgermeister Jim Kenney erklärte noch in der Nacht dass der Gewinn des Super Bowl das sei, wovon seine Stadt immer geträumt habe: „This is the day, the game, the season, and the team we’ve dreamed of. I have long felt that our City’s professional and collegiate sports teams bring Philadelphians together, regardless of race, income, neighborhood or gender.“

Zweifelsfrei siegte beim Super Bowl 52 ein ganzes Team, aber für den Eagles – Quarterback Nick Foles war dieser sportliche Erfolg etwas ganz besonderes, denn der Gewinn der Vince Lombardy Trophy markierte für ihn das Ende einer langen Leidenszeit. 2016 hatte Foles nämlich schon öffentlich von seinem Ruhestand gesprochen, dies nachdem er mit Schimpf und Schande bei den Rams vom Hof gejagt worden war. Als Nicholas Edward Foles dann in dieser Saison als Backup für den verletzten Carson Wentz in die Rolle des Quarterbacks gedrängt wurde, traute ihm niemand zu, die Eagles durch die Play Offs führen zu können ( außer uns, natürlich 😉 ). Gestern Nacht strafte der 29jährige, der eigentlich mal Pastor werden wollten, mit präzisen Pässen auf LeGarette Blount, Alshon Jeffrey, sowie einem selbst gelaufenen Touchdown alle Zweifler Lügen und setzte sich selbst ein Denkmal. Der Wert dieses persönlichen Erfolges ist für Foles von allergrößter Bedeutung, denn da die Eagles mit Wentz bereits einen Franchise – Quarterback haben, wird sich der MVP des Super Bowl  schon bald nach einem neuen Team umsehen. Dass ihm ein solcher Erfolg dabei ganz gut helfen kann, muss wohl nicht weiter erwähnt werden.

Trotz der also riesigen Freude über diesen denkwürdigen Sieg ist schon jetzt klar, dass den Eagles schon bald richtiger Ärger bevorsteht – und zwar direkt aus dem Weißen Haus. Traditionell lädt der U.S. – Präsident nämlich die Sieger – Mannschaft des Super Bowl zu einem Empfang in seine offizielle Residenz ein, allerdings gibt es einige Eagles, die darauf gar keine Lust haben. So erklärten Wide Receiver Torrey Smith, Runningback LeGarrette Blount, Defensive End Chris Long und Safety Malcom Jenkins schon vor dem Super Bowl, dass sie aus Protest gegen Äußerungen Donald Trumps über kniende NFL – Spieler und Minderheiten definitiv nicht an einem „White House Visit“ teilnehmen würden. Weil sich sich „The Donald“ dies sicher nicht gefallen lassen wird, dürfte die Reaktion des amerikanischen Präsidenten entsprechend hart ausfallen.


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Glasige Augen bei den Patriots

Nachdem der Quarterback der Patriots seinem Gegenpart bei den Eagles durch einen wütenden Marsch vom Feld in die Kabine den traditionellen Handshake verweigert hatte, stellten sich Tom Brady, Rob Gronkowski und der Rest der Patriots nur 15 Minuten nach dem Spiel mit glasigen Augen den Fragen der versammelten Presse.

Während Brady einräumte das Spiel über weite Teile nicht unter Kontrolle gehabt zu haben, erklärte Gronkowski überraschend, dass er sich „seine Zukunft genauer ansehen wollte“ und schloss somit seinen möglichen Rücktritt aus dem Profigeschäft nicht aus. Brady schloss einen Rücktritt zwar aus, klang dabei aber eher mäßig überzeugend: „I expect to be back so we’ll see. It’s 15 minutes after the game ended. I’d like to process this a little bit but I wouldn’t see why I wouldn’t be back.” Aber, beruhigt euch, Brady – Hater: es ist unvorstellbar, dass ein Perfektionist wie Brady seine Karriere mit einer Niederlage in einem Super Bowl beendet.

Besonders hart mit sich selbst ging Patriots Head Coach Bill Bellichick ins Gericht. So erklärte er in seiner Pressekonferenz dass er „keinen guten Job gemacht habe“, man wichtige Chance verstreichen ließ und sich besonders defensiv schwach gezeigt hatte.

Herzzerreißende Szenen müssen sich auch in der Familie Bündchen / Brady abgespielt haben, deren Kinder nach der Niederlage hemmungslos weinten. Um die Kinder etwas zu beruhigen, erinnerte das Model mit dem Spruch „Sharing Is Caring“ ihre Kinder daran dass deren Vater den Super Bowl schon fünf Mal gewonnen habe und es jetzt mal Zeit zum Teilen sei. Als Tom Brady auf dem Weg aus der Kabine dann wieder auf seine Familie traf, entstand dieses bewegende Foto.

Erste personelle Konsequenzen hat die Niederlage unterdessen bereits: Matt Patricia, der Defense Coordinator der Patriots, wurde am Montag zum neue Head Coach der Detroit Lions ernannt.

Justin Timberlake provoziert erneut

Gemischte Reaktionen erregte das Justin Timberlake – Konzert in der Halbzeitpause – und das aus einer Reihe von Gründen. Der Sänger verzichtete komplett auf Gäste, provozierte aber mit einer riesigen Projektion des verstorbenen Prince, die entrollt wurde als Timberlake dessen Hit „I Would Die 4 You“ coverte. Was daran provozierend sein soll? Ganz einfach: Prince hatte sich zeitlebens gegen derartige Projektionen ausgesprochen und sie als „die dämonischste Sache die ich mir vorstellen könnte“ bezeichnet. Entsprechend dauerte es nicht lange, bis die ersten Fans des Purple Rain – Stars ihrem Unmut auf Twitter Luft machten.

Neben massiven Soundproblemen, die Timberlake zeitweise leiser als den Beat oder seine Hintergrundsänger klingen ließen, wirkten vor allem die Bemühungen des Sängers die Zuschauer dazu zu motivieren Selfies zu schießen (und im Internet zu posten) unangenehm. So „animierte“ er während seines Konzertes offensiv einen 13jährigen, mit ihm ein Foto zu machen und beendete seine Performance mit den Worten „Selfiiieeee Timeee!“. Das diese stählerne Umarmung der Internetgeneration auch ihre Schattenseiten haben kann, zeigte sich Sekunden nachdem Timberlake sein Foto mit dem als in kürzester Zeit als „Selfie Kid“ bekanntgewordenen Jungen gemacht hatte: der Schüler wendete sich ab und blickte auf sein Handy, während der Sänger noch neben ihm stand und sang – vor laufenden Kameras.

ProSieben gewinnt mit SuperBowl

Auch in Deutschland wurden zumindest hinter den Bildschirmen neue Rekorde aufgestellt, denn zu Spitzenzeiten erreichte die Super Bowl – Übertragung bis zu 1,61 Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von über 40 Prozent entspricht. Einzig in Sachen Super Bowl – Werbung enttäuschte der Sender aus Bayern – denn wer diese sehen wollte, wurde in Deutschland lediglich mit Parship – Models abgespeist, die Footballs fingen.

Dennoch: die Begeisterung für das Spiel war so groß, dass sogar auf Twitter bis tief in die Nacht rein aus Deutschland rund 400 Tweets pro Minute zu Super Bowl – Hashtags abgefeuert wurden.

Kevin Hart mit schwerer Schlagseite

Als wäre der Super Bowl 52 nicht schon voller Sensationen und Attraktionen gewesen, wankte nach dem Spiel plötzlich ein stinkbesoffener Kevin Hart über das Feld. Dies wäre wegen der hohen Stardichte im Stadion eigentlich garnicht aufgefallen, aber der weltberühmte Comedian drängte sich derart offensiv ins Bild, das man ihn wirklich kaum übersehen konnte, wodurch sich tumultartige Szenen abspielten.

Erst wollte Hart nämlich die Super Bowl – Stage stürmen, wo gerade die Verleihung der Vince Lombardy Trophy stattfand, wurde dabei aber von einem Security – Mann abgehalten. Vor laufenden Kameras stritt und schubste sich Hart mit dem Bodyguard, um nur wenige Minuten darauf eine Live – Übertragung von NFL Networks zu stören. Der in Philadelphia geborene Comedian unterbrach ein Spielerinterview mit einer wirren Lobeshymne: „Philadelphia’s a great city. I thought, I hope this is an example of what we can do. We gave a f**k … ooh.“

Nach diesen Worten wurde es Deion Sanders, einem der Moderatoren der Sendung und Ex – Footballspieler zu bunt, weshalb dieser kurzerhand Kevin Hart an den Schultern packte und von der Bühne warf. Aber, alles gut: später entschuldigte sich der Comedian mit diesem schnapsgetränkten Instagram – Post. 

Gewinner des Abends: American Football

Die USA und Deutschland gehen momentan durch schwere Zeiten, in denen Polarisierung, Streit und Abschottung viel zu oft unseren Alltag bestimmen. Möglich zu machen, dass im Rahmen eines Events wie dem Super Bowl tausende Menschen zusammenkommen um einfach nur eine Sportart und ihre Teams zu feiern, ist die große Magie des Footballs. Sicher, die feierwütigen Fans haben einigen Sachschaden angerichtet, aber zu massiven Ausschreitungen mit Verletzten auf Seiten der Fans und der Polizei, wie wir es in etwas vom Fußball kennen, gab es trotz der Anwesenheit von vielen hunderttausenden Schlachtenbummlern nicht.

Egal ob man nun zu den feiernden oder trauernden Fans gehört, Tom Bradys Weisheit, die er einst  über seine Sportart sprach, wurde in der Super Bowl Nacht auf eindrucksvolle Weise bewiesen: „Football is unconditional love“. So ist es.

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Foto: Tony Webster, veröffentlicht unter der CC BY-SA 2.0 – Lizenz. Es wurden keine Änderungen vorgenommen.

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